4.Runde Landesliga Nord SW Nürnberg Süd – SC Kitzingen 2:6

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Bunk LLN2014 R4 B6Eigentlich hatte der Mannschaftsführer für die Jahrhundertabschlussfeier am Abend vor dem Wettkampf ein Alkoholverbot ausgegeben. Wenigstens die anderen sollten nüchtern bleiben und dadurch den Promillepegel des Kapitäns ausgleichen. Doch dieser Plan ging leider nicht auf: Da ich den leckeren Whisky (von dieser Stelle nochmal ein Danke an die Spender Helmut und Michael!) nicht heimlich im Keller trinken wollte wurde meine List durchschaut und so blieb ich nicht der einzige, der nicht bei Mineralwasser feierte.

Ob das Desaster am nächsten Tag auf die unglücklich terminierte Feier zurückzuführen ist? Keiner der dabei Anwesenden hatte am nächsten Morgen Probleme (außer auf dem Schachbrett!) und soweit ich das mitbekam hat niemand übertrieben beim Alkoholkonsum. Auffällig ist jedoch, dass alle Spieler, die am Vorabend auf der Feier waren, ihre Partie verloren, vier Niederlagen! Da reichte es nicht aus, dass die anderen dagegen hielten und immerhin ein 2-2 schafften.

Brett 3: FM Konstantin Kunz (2127) – Wolfgang Kordts (2150) ½ - ½

Kordts LLN2014 R4 B3

Wie schon im letzten Wettkampf hatte Wolfgang wieder gegen ein Damenbauernspiel zu kämpfen. Für die schlechtere Bauernstruktur bekam er mit dem Läuferpaar mehr als ausreichenden Ersatz. Als sein Gegner nach nur 15 Zügen in ausgeglichener Stellung Remis bot hatte Wolfgang als Schwarzer keinen Grund, das Angebot abzulehnen. Partie

Gesamt: ½ - ½

Brett 4: Hannes Just (2134) – Karl-Heinz Kannenberg (2122) 0 – 1

Just LLN2014 R4 B4

Hannes spielte gegen die Caro-Kann-Verteidigung den Panow-Angriff. Er konnte seinem Gegner einen Doppelbauern verpassen und hatte einen freien d-Bauern, der aber vom Schwarzen blockiert werden konnte. Lange lautete die Frage: Ist der weiße d-Bauer stark oder schwach? Letztlich ging er verloren, aber das Endspiel mit einem freien weißen a-Bauern gegen einen verdoppelten schwarzen f-Bauern wäre trotz Minusbauern sehr wahrscheinlich Remis ausgegangen. Doch als dieses Endspiel im 32. Zug aufs Brett kam überschritt Hannes die Zeit. Partie

Gesamt: ½ - 1 ½

Brett 8: Richard Saathoff (2101) – Istok Ferlan (2222) 0 – 1

Der Schwarze spielte die „Moderne Verteidigung“ und eine Zeit lang lief die Partie identisch mit Richards Partie aus der Vorsaison gegen Florian Wagner. Wie gewohnt ging Richard auf den gegnerischen König los und opferte im 19. Zug einen Bauern. Sein Gegner verteidigte sich allerdings gut und gab im 23. Zug eine Qualität, um seinerseits seine Figurenaktivität zu erhöhen. Allerdings sollte das nicht ausreichend sein. Nach einer Abwicklung im 30. Zug hatte Richard eine Mehrfigur gegen zwei Bauern und gute Gewinnchancen. Vermutlich in Zeitnot stellte er aber zwei Züge später einen Bauern ein und so hatte sein Gegner bereits drei Bauern für die Figur. Im weiteren Verlauf verlor Richard völlig den Faden und der Schwarze konnte mit einem Bauern entscheidend vorrücken. Im 40. Zug musste Richard aufgeben. Partie

Saathoff LLN2014 R4 B8

Gesamt: ½ - 2 ½

Brett 1: Alparslan Yalcin (2038) – Johannes Fischer (2218) 1 – 0

Fischer LLN2014 R4 B1

Johannes spielte die Philidor-Verteidigung mit 3. Sd7 und beging schon im 4. Zug mit Le7 einen schrecklichen Fehler. Eigentlich sollte bekannt sein dass Schwarz c6 spielen muss um nach dem Tausch auf e5 den Zug Dd5 zu verhindern. Ein Blick in die Datenbank verriet mir allerdings, dass schon ganz andere Kaliber diesen Fehler begangen haben. Das extremste Beispiel ist eine Partie von der Deutschen Einzelmeisterschaft im vergangenen Jahr: Zunächst bemerkte der Weiße (Felix Graf, ELO 2481) nicht, welche Chance ihm der Schwarze (Nikolas Lubbe, ELO 2432) bot und erst als Schwarz ihm einen weiteren Matchball servierte griff der Weiße dort zu und gewann eine Kurzpartie.

Johannes hatte zunächst Glück: Statt einen möglichen Mehrbauern durch normale Züge zu verwerten spielte der Weiße einige merkwürdige Züge und verzichtete auf den Bauerngewinn. Um den 20. Zug herum war Johannes sogar in mehr oder weniger deutlichen Vorteil gekommen. Im 23. Zug verzichtete er auf einen möglichen Bauerngewinn und im nächsten Zug übersah er eine Möglichkeit seines Gegners, mit einem vorübergehenden Qualitätsopfer in Vorteil zu kommen. Johannes musste dann eine Figur geben um nicht noch mehr in Nachteil zu geraten und hatte dann nur einen Turm gegen 2 Leichtfiguren seines Gegners. Doch der war inzwischen in gewaltige Zeitnot geraten und deshalb war die Sache nicht aussichtslos. Im 32. Zug ließ der Weiße eine Möglichkeit aus, mit einer glatten Mehrfigur zu verbleiben. Als er die Zeitkontrolle schließlich geschafft hatte war eine Stellung mit je einem Turm und ungleichen Läufern auf dem Brett. Doch der weiße Vorteil war noch immer so groß dass Johannes im 47. Zug aufgeben musste. Partie

Gesamt: ½ - 3 ½

Brett 2: Gerhard Reis (2144) – Alexander Kliche (2234) 0 – 1

Mein Gegner überraschte mich mit der Tschigorin-Variante im Damengambit und da sich meine Theoriekenntnisse in Grenzen hielten verbrauchte ich für beinahe jeden Zug (zu) viel Zeit. In einer Stellung mit heterogenen Rochaden fühlte ich mich mit meinem König auf c1 ziemlich unwohl, obwohl die Stellung objektiv ziemlich ausgeglichen war. Nach 20 Zügen hatte ich nur noch ca. 3 Minuten auf der Uhr und musste in nicht einfacher Stellung in den Blitzmodus umschalten. Im 29. Zug beging ich dann eine Ungenauigkeit und statt selbst in Vorteil zu kommen übersah ich im 30. Zug eine Springergabel und verlor eine Qualität. Nach beiderseits überstandener Zeitnot gab ich nach 42 Zügen auf. Partie

Gesamt: ½ - 4 ½

Brett 7: Michael Hanft (1990) – Pieter van Ginkel (2100) 1 – 0

van Ginkel LLN2014 R4 B7

Pieter spielte diesmal die Anti-Meraner-Variante gegen das Damengambit. Lange konnte er die Partie ausgeglichen gestalten und erst durch eine kleine Ungenauigkeit im 27. Zug geriet er allmählich in eine passive Stellung. Nach 45 Zügen wickelte der Weiße in ein Turmendspiel ab, in dem er gute Gewinnchancen besaß. Nachdem er im 49. Zug eine gute Möglichkeit liegen ließ revanchierte sich Pieter prompt und nahm sofort einen Bauern anstatt vorher ein Zwischenschach zu geben. Ob die Stellung für Weiß dann zu gewinnen gewesen wäre ist unklar. So aber war die Sache zu einfach und Pieter musste nach dem 51. Zug aufgeben. Partie

Gesamt: ½ - 5 ½

Brett 5: Matthias Basel (2055) – Jürgen Stiller (2119) ½ - ½

Stiller LLN2014 R4 B5

Jürgen spielte mal wieder die Königsindische Verteidigung und beantwortete einen seltenen 8. Zug des Weißen mit einer ebenfalls ungewöhnlichen Fortsetzung. Den von Weiß inszenierten Angriff auf dem Königsflügel federte Jürgen ganz cool mit Zügen wie Sg8 ab. Als nach 20 Zügen die Damen getauscht wurden riegelte er den Königsflügel ab und ging am Damenflügel zum Gegenangriff über. Im 31. Zug opferte sein Gegner eine Qualität um den Schwarzen nicht zu aktiv werden zu lassen. Die Stellung befand sich im dynamischen Gleichgewicht als Jürgen – vielleicht in Zeitnot – um den 40. Zug herum den Weißen in Vorteil kommen ließ. Im 48. Zug ließ der den Gewinnzug h6 aus aber auch Jürgen übersah die Möglichkeit zum Ausgleich. Im 51. Zug verpatzte Weiß seine Gewinnstellung durch einen Turmtausch und nach 57 Zügen einigte man sich auf Remis. Partie

Gesamt: 1 – 6

Brett 6: Karsten Bunk (2068) – Georg Kwossek (2026) 1 – 0

Bunk LLN2014 R4 B6

Karsten spielte natürlich wieder Englisch und hatte praktisch eine Drachenvariante mit Mehrtempo auf dem Brett. Er machte gewaltig Druck am Damenflügel und Schwarz bekam fast einen Knoten in seine Stellung. Lange Zeit war es ein Spiel auf ein Tor mit mehr oder weniger deutlichen Vorteilen bei Karsten, aber als er im 43. Zug eine Ungenauigkeit beging hätte der Schwarze mindestens Ausgleich erreichen können. 10 Züge später machte erst Schwarz einen Fehler, doch Karsten revanchierte sich postwendend und sein Gegner hätte eine Figur gewinnen können. Doch auch der ließ wieder diese Chance liegen! Ein letztes Mal verpasste er dann im 58. Zug die Möglichkeit, eine Stellung mit guten Remis-Chancen zu erreichen. So konnte Karsten nach dem 67. Zug den einzigen Sieg für uns an diesem Tag vermelden. Partie

Endstand: 2 – 6

 

2 SW Nürnberg Süd 1 DWZ ELO - SC Kitzingen 1 DWZ ELO 2 - 6
1 2 FM Fischer, Johannes 2218 2269 - 1 Yalcin, Alparslan 2038 2035 0 - 1
2 3 Reis, Gerhard 2144 2182 - 2 Kliche, Alexander 2234 2228 0 - 1
3 4 Kordts, Wolfgang 2150 2212 - 3 FM Kunz, Konstantin 2127 2202 ½ - ½
4 5 Just, Hannes 2134 2152 - 4 Kannenberg, Karl-Heinz 2122 2210 0 - 1
5 6 Stiller, Jürgen 2119 2181 - 5 Basel, Matthias 2055 2107 ½ - ½
6 7 Bunk, Karsten 2068 2090 - 6 Kwossek, Georg 2026 2060 1 - 0
7 8 Van Ginkel, Pieter 2100 2188 - 7 Hanft, Michael 1990   0 - 1
8 9 Saathoff, Richard 2101 2135 - 8 Ferlan, Istok 2222 2306 0 - 1
Schnitt: 2129 2176 - Schnitt: 2101 2164  

Fazit: Ein wirklich grauenvoller Tag. Bitte die nächste Jahresabschlussfeier nicht wieder auf einen Tag vor einem Wettkampf terminieren!

RangMannschaft12345678910MPktBPkt
1. SC NT Nürnberg 2 **     4       7 - 1 21,5
2. SC Bamberg 1   **     7     6 - 2 22,5
3. TSV Bindlach SAbt 2   **   5 2       5 6 - 2 16,5
4. SK Schweinfurt 1 4   **     5   7   5 - 3 18,5
5. SC Bad Kötzting 1     3   ** 5   4   6 5 - 3 18,0
6. SK Kelheim 1   6   3 **     5   4 - 4 16,5
7. SC Kitzingen 1   1   3     ** 6 4   3 - 5 14,0
8. SW Nürnberg Süd 1       4   2 ** 5   3 - 5 13,5
9. SV Würzburg 1       1   3 4 3 **   1 - 7 11,0
10. SK Klingenberg 1 3   2         ** 0 - 8 8,0

Die nächste Runde in der Landesliga findet am 18.1.2015 statt und wir müssen in Schweinfurt antreten.