2015/16

Corona-Virus: Donnerstags geschlossen - Alternative: lichess.org

Es findet bis auf weiteres aufgrund der Corona-Pandemie an Donnerstagen kein Vereinsabend und kein Jugendtraining statt.

Auf https://lichess.org/team/sw-nurnberg-sud versuchen wir übergangsweise (auch für Gäste!) ein alternatives Online-Angebot mit Turnieren einzurichten:

Hauptseite | Turniere | Forum | Registrierung (kostenlos!)

Bericht vom Wettkampf am 21.02.16 SC Bad Kötzting – SW Nürnberg Süd 1

Kategorie: 1.Mannschaft  2103 hits

Achim Diehl 2011

Bei unserem Auswärtskampf beim SC Bad Kötzting am 21.2.2016 mussten wir leider Brett 1/Johannes und Brett 8/Hannes ersetzen. Aber nicht zuletzt die beiden Ersatzspieler Peter Abel und Achim Diehl trugen durch ihre Siege zu einem ungefährdeten Auswärtssieg bei. Wie gut unsere Ersatzbank im Vergleich zu den meisten anderen Vereinen besetzt ist wurde an den Brettern 7 und 8 deutlich: An diesen beiden Brettern hatten unsere Ersatzleute über 300 bzw. fast 200 DWZ-Punkte mehr auf die Waage zu bringen als ihre Gegner!

- alle Partien kommentiert -

 

Brett 5: Richard Saathoff (2062) – Pavel Sott (2143) ½ - ½ Partie

Richard bekam die Drachenvariante der Sizilianischen Verteidigung vorgesetzt und spielte mit 9.g4 eine Variante, die einst von Karpov in die Turnierpraxis eingeführt wurde. Wie oft im „Drachen“ rochiert Weiß lang und stürmt am Königsflügel nach vorne und möchte am liebsten die h-Linie öffnen und dann Matt setzen. Beide Seiten folgten lange theoretischen Vorbildern und erst im 17. Zug betrat man Neuland. Im 20. Zug konnte Richard dann zwar die h-Linie öffnen und hätte sie anschließend sogar mit beiden Türmen besetzen können, aber ein drohendes Matt konnte sein Gegner abwehren. Inzwischen war das Material soweit reduziert dass Richard es vorzog, mit vermutlich etwas schlechterer Bauernstruktur nach dem 23. Zug Remis zu machen, wobei die angestrebte Variante mit Zugwiederholung hinter den Kulissen blieb.

Gesamtstand: ½ - ½

Brett 8: Peter Oberberger (1795) – Achim Diehl (1978) 0 – 1 Partie

Durch Zugumstellung kam hier die Rubinstein-Variante der Französischen Verteidigung aufs Brett. Achim hatte nach der Eröffnung bereits eine ausgeglichene Stellung. Sein Gegner glaubte einen stark und zentral stehenden Springer noch näher an Achims König heranführen zu müssen, aber dann war diesem unglücklichen Schimmel der Rückweg abgeschnitten. Dass er im 33. Zug geopfert wurde war allerdings völlig unnötig und bereits vorentscheidend. Ob Weiß in Zeitnot war als er im 36. Zug eine „Qualle“ einstellte weiß ich nicht, aber da er danach mit einem ganzen Turm weniger da stand gab er zurecht auf und Achim hatte seinen ersten Sieg in der Landesliga eingefahren.

Gesamtstand: ½ - 1 ½

Brett 2: Jan Balin (2249) – Gerhard Reis (2167) 1 – 0 Partie

Mein Gegner servierte gegen mein Grünfeld-Indisch die „Botwinnik-Variante“ oder auch „beschleunigtes Russisches System“. Nach dem ungewöhnlichen Zug 7. h3 glaubte ich nachweisen zu müssen, dass der Entwicklungsvorsprung des Schwarzen bereits zu mehr als Ausgleich reicht und verbrauchte in den nächsten Zügen viel zu viel Zeit auf der Suche nach der vermeintlich besten Zugfolge. Es ist nicht das erste Mal dass ich diesen Fehler begehe und dafür bestraft wurde. Grundsätzlich war meine Einschätzung am Brett korrekt. Bereits nach 10 Zügen hatte ich leichten Vorteil. Mit dem 13. Zug wollte ich zu viel und brachte mit dem Zug e4 ein (vorübergehendes) Bauernopfer um Linien gegen den weißen König in der Mitte zu öffnen. In dem Fall wäre weniger mehr gewesen und mit einem natürlichen Zug hätte ich meinen kleinen Vorteil gewahrt. So aber konnte ich nicht mehr erreichen als im 18. Zug meinen geopferten Bauern wieder zurück zu gewinnen und er brachte mit der Rochade seinen König in Sicherheit. Weil mir für die zweite Hälfte der Partie in ausgeglichener Position nur noch rund 5 Minuten Rest-Bedenkzeit (plus 30 Bonus-Sekunden, also rund noch mal 10 Minuten) blieben machte ich meinem Gegner ein Remisangebot, das er aber nicht überraschend ablehnte. Es kam wie ich befürchtete: Der Druck auf der Uhr und eine nicht gerade einfach zu spielende Stellung führten dazu, dass ich im 26. Zug den entscheidenden Fehler beging. Ich verlor eine Qualität, war danach chancenlos und musste im 33. Zug aufgeben.

Gesamtstand: 1 ½ - 1 ½

Brett 4: Andreas Mühlbauer (2126) – Jürgen Stiller (2159) 0 – 1 Partie

Jürgen spielte die Caro-Kann-Verteidigung und sein Gegner ging dagegen mit der Vorstoß-Variante vor. Im 9. Zug spielte Jürgen das kaum gespielte Lg4, ein Zug der in meiner Datenbank nur zwei Mal vorkommt und in nur einer Partie von Relevanz. Mit einer kleinen Zugumstellung war man auch im 12. Zug noch bei der erwähnten Partie, in der Vlastimil Hort Schwarz hatte. Im nächsten Zug wich Jürgens Gegner ab und opferte eine Figur gegen zwei Bauern. Wahrscheinlich erhoffte er sich durch den schwarzen König in der Mitte und seinen durchaus vorhandenen Entwicklungsvorsprung genügend Chancen und Kompensation. Das war allerdings zu optimistisch gedacht und es hätte schon einiger Mithilfe von Jürgen bedurft um den weißen Angriff durchschlagen zu lassen. Außerdem fand er nicht immer die beste Fortsetzung. So aber konnte Schwarz im 20. Zug rochieren und die anschließenden Angriffsbemühungen verbunden mit einem Springeropfer wurden von Jürgen gewohnt cool abgewehrt. Nach seinem 31. Zug blieb seinem Gegner nur noch die Aufgabe.

Gesamtstand: 1 ½ - 2 ½

Brett 6: Roland Weingut (1968) – Irfan Redzepovic (2069) 0 – 1 Partie

Irfan spielte Bogo-Indisch und schon im 5. Zug spielte sein Gegner den ungewöhnlichen Zug a3. Meiner Meinung nach ein Tempoverlust denn Schwarz tauscht den Läufer auf b4 ohnehin auf d2 ab, oft auch ohne dazu „gezwungen“ zu werden. Nachdem Irfan im 8. Zug seinen d-Bauern nach d5 stellte hatte Weiß etwas Vorteil. Nach dem Fehler 14…e5 hätte Weiß einen Bauern gewinnen können ohne dass Irfan irgendetwas dafür vorzuweisen gehabt hätte. Auch danach ließ der Weiße einige gute Möglichkeiten aus. Um den 25. Zug herum hat Irfan dann Ausgleich erreicht, aber auf der Uhr sah es diesmal anders aus. Anders als gewohnt war diesmal sein Gegner in Zeitnot und dies wirkte sich auf sein Spiel aus. Der Druck auf der Uhr führte schließlich dazu dass Weiß in eine schlechtere Stellung geriet. Zufällig stand ich als Zuschauer neben dem Brett und sah, wie er im 36. Zug seinen Turm auf d2 absetze, für ungefähr eine Sekunde los ließ und dann wieder in die Hand nahm. Weil dieser Zug Td2 eine Figur verlor und er nach kurzer Diskussion eingesehen hat dass er den Turm abgestellt und losgelassen hatte gab Irfans Gegner dann auf.

Gesamtstand: 1 ½ - 3 ½

Brett 1: Wolfgang Kordts (2170) – Jan Priborsky (2267) 0 – 1 Partie

Wolfgangs Gegner spielte die „Moderne Verteidigung“ und modern heißt nicht unbedingt gut: Wolfgang kam mit einigem Vorteil aus der Eröffnung. Leider verpasste er es in der Folge mehrfach, diesen Vorteil auszubauen. Einige gute Möglichkeiten blieben ungenutzt, wobei sicherlich auch Wolfgangs knappe Bedenkzeit eine Rolle spielte. Um den 33. Zug herum konnte sein Gegner nicht nur ausgleichen, sondern zeitweise in Vorteil kommen. Im 38. Zug ließ er eine letzte Gelegenheit aus um das Ruder nochmal herum zu reißen. Unmittelbar nach der Zeitkontrolle im 41. Zug folgte der entscheidende Fehler. Vermutlich hat Wolfgang in der Vorausberechnung übersehen, dass seine eigene Figur seinem König das einzige Fluchtfeld verstellt. Deshalb gab er im 42. Zug einen Zug vor dem Matt auf.

Gesamtstand: 2 ½ - 3 ½

Brett 3: Karsten Bunk (2098) – Marek Priborsky (2162) 1 – 0 Partie

Karsten spielte, wenig überraschend, sein geliebtes Englisch und wiederholte die Eröffnung der letzten Runde: Bis zum 9. Zug von Schwarz war die Partie identisch mit seiner Partie aus dem letzten Mannschaftskampf gegen Karl-Heinz Göhring vom SC Bamberg. Diesmal wählte Karsten im 10. Zug die Hauptfortsetzung und erst im 15. Zug spielte er einen neuen Zug. In der folgenden Phase baute Karsten seinen Raumvorteil am Damenflügel aus und machte Druck. Im 25. Zug opferte sein Gegner ohne Not seine Dame für Turm und Läufer. Schwarz bekam nicht genügend Kompensation für seine Dame und es folgte ein Spiel auf ein Tor. Es war dann eigentlich nur noch eine Frage der Zeit bis Weiß die schwarze Verteidigung durchbrechen würde. Geduldig ging Karsten vor und im 45. Zug war der entscheidende Durchbruch geschafft. Die weiße Dame konnte in die schwarze Stellung einbrechen und im 49. Zug gab Schwarz auf.

Gesamtstand: 2 ½ - 4 ½

Brett 7: Peter Abel (2161) – Wolfgang Mühlbauer (1843) 1 – 0 Partie

Peters Gegner spielte einen Holländischen Stonewall-Aufbau und Peter spielte „Doppelloch“ dagegen, also ein Doppelfianchetto, wobei er den Zug d4 vermied und nur d3 spielte. Diesen Aufbau verbindet Weiß meistens mit späterem e2-e4 um den Stonewall aufzubrechen. Peter spielte etwas bescheidener den Bauern nach e3. Nach einigen Abtäuschen kam es zu einer Stellung mit jeweils einem weißfeldrigen Läufer und zwei, später je einem Turm. Dass im Stonewall der weißfeldrige Läufer des Weißen normalerweise seinem Kollegen überlegen ist dürfte klar sein. Aber dass dieser Vorteil nicht unbedingt zum Gewinn reicht dürfte auch klar sein. Sein Gegner verpasste ein paarmal die Möglichkeit e6-e5, womit er sich die Verteidigung erleichtert hätte. Peter sammelte seine positionellen Vorteile und hatte im 40. Zug schon beinahe eine Idealstellung erreicht: Sein König thronte auf dem Feld e5 und sein Gegenüber auf e7, alle weißen Bauern auf schwarzen Feldern und die schwarzen Bauern auf der Farbe der Läufer. Trotzdem war die Stellung bei bester schwarzer Verteidigung vermutlich nicht zu gewinnen. Aber es war fast logisch dass sein Gegner, immerhin über 300 DWZ-Punkte leichter, irgendwann bei der schwierigen Verteidigung nicht mehr das Beste treffen würde. Im 46. Zug war es dann so weit: Er vernachlässigte mit seinem Turm die Verteidigung der 6. Reihe und ging auch nicht auf die 8. zurück und dann war es nach dem folgenden Zug von Peter passiert. Mit dem schon seit längerem in der Luft liegenden Zug Lh5 erreicht er entscheidenden Vorteil und sein Gegner gab die Partie sofort auf.

Endstand: 2 ½ - 5 ½

 

7. Runde am 21.02.16
3 SC Bad Kötzting 1 DWZ ELO - SC SW Nürnberg Süd 1 DWZ ELO 2½ - 5½
1 1 Priborsky, Jan 2267 2351 - 3 Kordts, Wolfgang 2170 2212 1 - 0
2 2 Balin, Jan 2249 2347 - 4 Reis, Gerhard 2167 2220 1 - 0
3 5 Priborsky, Marek 2162 2204 - 5 Bunk, Karsten 2098 2093 0 - 1
4 6 Mühlbauer, Andreas 2126 2142 - 6 Stiller, Jürgen 2159 2204 0 - 1
5 7 Sott, Pavel 2143 2191 - 7 Saathoff, Richard 2062 2119 ½ - ½
6 8 Weingut, Roland 1968   - 8 Redzepovic, Irfan 2069 2124 0 - 1
7 15 Mühlbauer, Wolfgang 1843   - 10 Abel, Peter 2161 2187 0 - 1
8 16 Oberberger, Peter 1795   - 15 Diehl, Achim 1978 2014 0 - 1
Schnitt: 2069 2247 - Schnitt: 2108 2146  

 

In der nächsten Runde am 13.03. spielen wir zu Hause gegen die 2. Mannschaft von Noris-Tarrasch Nürnberg. Um unsere Aufstiegschancen zu wahren sollte ein Sieg her, bevor es zum Abschluss am 10.04. nach Bindlach geht.

RangMannschaft12345678910MPktBPkt
1. SC SW Nürnberg Süd 1 ** 3   5   4 4 7 10 - 4 34,0
2. SK Schweinfurt 2000 1 5 **     6 10 - 4 32,5
3. TSV Bindlach Aktionär 2   **   4 3 5 3 8 9 - 5 32,0
4. SK 1911 Herzogenaurach 1 3   ** 5 5   8 - 6 32,0
5. SC NT Nürnberg 1873 2   4 3 ** 4   5 6 6 8 - 6 29,5
6. SC Forchheim 2 4   5 4 ** 2   8 - 6 28,5
7. SC 1868 Bamberg 1 4 3   **   7 - 7 27,5
8. SC Bad Kötzting 1 5 3 3   **   6 6 - 8 26,5
9. SC Kitzingen von 1905 1   2 6   ** 5 4 - 10 25,0
10. TSV 1869 Rottendorf 1 1 2 0   2   2 3 ** 0 - 14 12,5